Duane Louis: Blondes Gift

Duane Louis: Blondes Gift. – München: Heyne, 2007

Jack sitzt in der Flughafenbar, als ihm eine ihm fremde Frau eröffnet, sie habe ihm gerade Gift in sein Bier getan, er werde noch zehn Stunden leben. Jack hält das für eine interessante Art der Anmache und die Frau für eine Spinnerin, auch wenn sie ihm genau erklärt, wie die Symptome verlaufen werden. Sie stellt die Forderung, er müsse nun bei ihr bleiben, dann würde sie ihm das Gegengift geben. Jack verabschiedet sich – kein Grund, unhöflich zu werden – aber kaum in seinem Hotel angelangt, geht die Kotzerei los. Offensichtlich hat die Frau nicht gescherzt. Schnell fährt er mit dem Taxi zurück zum Flughafen und kommt gerade noch rechtzeitig: Die Frau verabschiedet sich mit einem langen Kuß von einem Begleiter und fährt mit Jack zurück ins Hotel. Dort erzählt sie ihm eine irre Geschichte: Sie, Kelly White, sei Mitarbeiterin in einem Labor gewesen, daß mit Nanopartikeln zur Ortung von Entführungsopfern experimentiert. Sie habe sich mit einem Serum infiziert, nun würden sich die von einem Satelliten ortbaren Nanoteilchen in ihren Körpersäften virengleich vermehren, aber es sei etwas schief gegangen, die Teilchen seien ein Ortungssystem, das feststellen könne, wenn sich in einem Radius von drei Metern niemand in ihrem Umkreis befinde. Wenn das der Fall sei, würde ihr Gehirn explodieren, was mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit ihren Tod bedeuten würde.

Perspektivenwechsel. Der Mitarbeiter des nach dem 9/11-Debakel ins Leben gerufenen Ministerium für Heimatschutz Kowalski wird gern als Killer eingesetzt. Der Ex-GI erhält seine Befehle über Handy, und eine seiner besonderen Fähigkeiten ist, keine Fragen zu stellen. Unterbrochen in seiner Privatfehde gegen die italienische Mafia von Philadelphia (die hatte seine schwangere Freundin getötet, seitdem eliminiert er peu à peu alle ihre Mitglieder), erhält er den Auftrag, den von Kelly White am Flughafen geküßten Mann zu verfolgen. Noch nicht lange in seinem Haus, liegt dieser tot in seinem Bad – sein Hirn ist explodiert. Kowalski erhält den Befehl, den Kopf abzutrennen und zu einem bestimmten Ort zu bringen, was aber für ihn bedeutet, nicht nur die hysterische Frau des Opfers, sondern auch einen neugierigen und habgierigen Nachbarn ruhig zu stellen – sprich: Zu töten. Kowalski ist langsam genervt: Der Kontaktmann erscheint nicht, stattdessen soll er in das Hotel fahren und Kelly White sicherstellen, den Kopf in einer Sporttasche immer dabei …

Und so geht’s immer weiter, die Handlung rennt und rennt und rennt – in immer unwahrscheinlichere Verläufe. Die Kapitel sind teilweise nur Sekundenabschnitte, es gibt noch mehr Leichen, Prügeleien, unglaubliche Szenen, ein bißchen ist das ganze wie ein Comic. Die Auflösung ist läppisch, nicht nur weil der bisher unbescholtene Jack en passant seine Frau, die sich von ihm scheiden lassen will, umbringt, um die Fürsorgefrage für das gemeinsame Kind für sich zu entscheiden: Die Ausgangssituation und der Verlauf der Geschichte sind so abstrus, die Geschwindigkeit so rasant, daß dem Verfasser wahrscheinlich nichts besseres einfiel, als sie einfach mit einer kleinen Lösung auslaufen zu lassen. Nett sind die satirischen Seitenhiebe auf den amerikanischen Sicherheitswahn seit dem 11. September 2001 und seine Gefahren, und die Charakterisierung des Killers Kowalski, dem sein Ausweis als Mitarbeiter des Heimatschutzministeriums Tür und Tor öffnet, macht Spaß. Insgesamt jedoch halte ich den Roman für mißlungen. Kann man lesen, muß man aber nicht, ich war am Ende eher unbefriedigt: Schnell gelesen, aber ebenso schnell wieder vergessen.

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