Ed McBain: Späte Mädchen sterben früher

Ed McBain (4): Späte Mädchen sterben früher (The Con Man, 1957). – Frankfurt/M.[u.a.]: Ullstein, 1987

Die nicht mehr ganz junge Frau, deren Leiche man aus dem Fluß gezogen hat, ist nicht ertrunken, sonder an einer Arsenvergiftung gestorben. Sie hat eine Tätowierung an der Hand, bestehend aus den Buchstabem MAC und einem Herz drumherum. Ist sie die seit kurzem vermißte Mary Louise Proschek, die ihre Eltern mit über 4000 Dollar in der Tasche verlassen hat, um in der Großstadt ihr Glück zu suchen? Steve Carella vom 87. Polizeirevier macht sich auf die Suche nach Tätowier-Studios, um Anhaltspunkte zu finden, und auch seine taubstumme Frau Teddy ist nicht untätig: Wie es der Zufall will, stolpert sie über eine heiße Spur und begibt sich in Lebensgefahr.
Wenn die Detectives Arthur Brown und Bert Kling nicht so stur auf der Suche nach Trickbetrügern wären, hätte der Mörder schon hinter Schloß und Riegel sitzen können …

In einer früheren Besprechung habe ich geschrieben, das 87. Polizeirevier liege in New York. Hier nun werde ich eines Besseren belehrt, McBain sieht sich zu einer Vorbemerkung genötigt: „Die hier geschilderte Stadt existiert nicht; Personen und Schauplätze sind frei erfunden. Nur Arbeit und Untersuchungsmethoden der Polizei sind wirklichkeitsgetreu dargestellt.“ – und das auch hier wieder angenehm, leicht, mit ironischem Augenzwinkern und sympathischen Figuren. Das macht Spaß und Lust auf mehr. Zum ersten Mal läßt auch die Sprache der Übersetzerin nichts zu wünschen übrig.
Ein Zitat von der ersten Seite mag einen kleinen Eindruck vermitteln:
„Gesetz und Gesetzeshüter bestreiten keinem Menschen das Recht, dem Dollar nachzujagen. Sie befassen sich nur mit den Mitteln und Wegen, wie der begehrte Mammon erworben wird. Sollten Sie beispielsweise eine spezielle Vorliebe fürs Safeknacken haben, dürfte Sie das strafende Auge des Gesetzes treffen. Oder falls sie gern Ihren Mitmenschen eins über den Schädel hauen und ihnen die Brieftasche klauen, können Sie kaum der Polizei die Schuld daran geben, wenn man Sie etwas scheel ansieht. Oder, gesetzt den ein wenig extremen Fall, daß Sie sich Ihren Lebensunterhalt durch Waffenverleih gegen Geld verdienen, daß Sie Ihre Revolver dazu verwenden, gegen Honorar Menschen zu erschießen – dann dürfen Sie sich wirklich nicht wundern! Sie können jedoch auch ein Gentleman bleiben, ein Leben voller Abenteuerromantik mit kriminellem Einschlag führen, die Welt sehen, eine Menge reizende Leute kennenlernen, zahllose eisgekühlte Drinks schlürfen und trotzdem viel Geld verdienen … Und alles damit, daß Sie die Leute übers Ohr hauen. Sie können, kurz gesagt, die Betrügerlaufbahn einschlagen.“

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