Nick Stone: Voodoo

Nick Stone: Voodoo. – München: Goldmann, 2007

Max Mingus, einst gefeierter Polizist, dann erfolgreicher Privatdetektiv, hat nichts mehr zu verlieren: Als er nach sieben Jahren aus dem Knast kommt, in dem er wegen Totschlags gesessen hatte, ist seine heiß geliebte Frau gerade an einer Hirnblutung gestorben, und aufgrund seiner Taten hat er in den Staaten Berufsverbot. So läßt er sich halb widerwillig auf das Angebot der Milliardärsfamilie Carver aus Haiti ein: Er soll den fünfjährigen jüngsten Sproß der Familie, der seit zwei Jahren vermißt wird, für 10 Millionen Dollar aufspüren. Er fliegt also nach Haiti, wo ihm eine Angestellte der Familie, Chantale, als Assistentin an die Seite gestellt wird. Mit ihr zusammen versucht Mingus, die Umstände der Entführung aufzuklären: Hat der geheimnisvolle Herrscher der Slums, der Rebell Vincent Paul, etwas damit zu tun? Welche undurchsichtige Rolle spielte die Familie Carver während der Terrorherrschaften der Duvaliers (Papa Doc und Baby Doc)? Was hat es mit der Legende von Monsieur Clarinette auf sich, dem ein ähnlicher Einfluß zugeschrieben wird wie dem Rattenfänger von Hameln? Tatsächlich verschwanden schon immer Kinder auf unbekannte Weise – Mingus kommt grausigen Zusammenhängen auf die Spur, die ihn nicht nur tief in die von Aberglauben gekennzeichnete und stark verarmte Gesellschaft von Haiti führen, sondern auch die heuchlerische Verstrickung der USA in die grauenvolle Geschichte Haitis zeigen.

Der Roman, Nick Stones Erstling, ist nicht schlecht: Mehr oder weniger geschickt wird der Plot mit der Geschichte eines der ärmsten und meistausgebeuteten Länder der westlichen Hemisphäre verwoben. Die Schuld der Mächtigen und Reichen reicht weit in die Geschichte des Landes zurück, die skrupellos ihre Interessen mit Hilfe der Amerikaner durchsetzten. Ganz konkret werden humanistische Fehlentscheidungen der amerikanischen Regierungs-Administrationen jeglicher Couleur zugunsten von wirtschaftlichen Interessen angeprangert und dem Leid eines im Voodoo-Glauben verhafteten Volkes gegenübergesetzt. Stilistisch gelingt das nur mäßig: Die einzige Erzählperspektive ist die von Max Mingus, und das ist manchmal etwas holperig, vielleicht hätte sich der Autor besser für die Ich-Perspektive entschieden? Viele Dinge, Mingus betreffend, sind unglaubwürdig, z.B. war er noch nie in Haiti, spricht die üblichen Sprachen nicht und hat keine Bekannten dort – die schlechtesten Voraussetzungen für ein Engagement, die man sich vorstellen kann. Und so hat er auch oft mehr Glück als wahrscheinlich ist – na ja, ist eben ein Roman. Was mir manchmal richtig auf die Nerven ging, waren die stellenweise miese Sprache und äußerst mißglückte Szenen, z.B. S. 250, Mingus interviewt einen alten weisen Voodoo-Priester: „Es steckte vielleicht nicht mehr allzu viel Leben in Dufour, aber Max spürte den eisernen Willen, der seinen gebrechlichen Körper aufrecht hielt.“ Immer wieder gibt es solche ironiefreien und klischeeverliebten Sätze. Aber Stone übt ja noch.

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