Petros Markaris: Hellas Channel

Petros Markaris: Hellas Channel : ein Fall für Kostas Charitos. – Zürich: Diogenes, 2001

Kostas Charitos, Beamter bei der Kriminalpolizei in Athen, hat’s nicht so mit der Presse – auch nicht mit seinen Vorgesetzten, seinen Mitarbeitern und seiner eigenen Frau, eigentlich mit überhaupt niemanden, außer einem alten Bekannten aus Obristentagen, der ihn mag, obwohl er auf der falschen Seite stand. Da werden zwei albanische Flüchtlinge umgebracht, und die nervige Fernsehjournalistin von „Hellas Channel“ macht Andeutungen über Kinderhandel, mit denen Charitos nun wirklich gar nichts anfangen kann. Ein paar Tage später ist die Journalistin tot, im Studio erschlagen, kurz bevor sie eine aufsehenderregende Enthüllung über den Äther schicken kann. Noch ein ungeklärter Fall, der Charitos gerade noch gefehlt hat, fallen doch nicht nur alle Journalistenkollegen über ihn her, auch sein Chef macht ihm die Hölle heiß, als ihn seine Ermittlungen in einflußreiche Unternehmens- und Politikerkreise führt. Und wieder wird gemordet, und Charitos hat noch keinen Plan. Und dann dieser Verkehr in Athens Straßen in einem unerträglich heißen Sommer …

Kostas Charitos, der Ich-Erzähler, ist zwar das, was man ein A…loch nennt, aber trotzdem sympatisch, harte Schale, weicher Kern, und darüber hinaus eine amüsante Figur: In seiner Freizeit liest er gerne Wörterbücher, und sein Opportunismus ist zwar ausgeprägt, hat aber seine Grenzen. Folgende Szene ist typisch für den Tonfall, eine Sexszene mit seiner Frau, die übrigens nur dadurch zustande kommt, weil er ihr außerplanmäßig Geld für neue Stiefel gegeben hat:

„Mittendrin verliere ich die Lust und will einfach weggehen, wie man in der Pause einen langweiligen Film vorzeitig verläßt. Adrianis Stöhnen und ihre Schreie machen die Sache nur noch schlimmer. Jedes zweite Mal spielt mir das Luder einen Orgasmus vor und glaubt, daß ich nichts merke. Würde ich sie jedes Mal dafür auf die Anklagebank setzen, hätte man ihr als notorischer Betrügerin schon lebenslänglich aufgebrummt. Ich wundere mich, sooft ich Katerina ansehe, wie uns aus einem vorgespielten Orgasmus ein solches Kind erwachsen konnte. Sobald ich komme, hören Adrianis Seufzer schlagartig auf. Sie springt auf und geht aus dem Schlafzimmer. Sie weiß nicht, daß ich genau daran merke, ob sie sich verstellt oder nicht. Wenn wir nach dem Höhepunkt noch zusammen im Bett liegenbleiben und sie nach Atem ringt, heißt das, sie hatte einen Orgasmus. Wenn sie gleich ins Badezimmer rennt und sich wäscht, als hätte ich den Tripper, dann hat sie sich verstellt. Ich schlage gerade den Liddell-Scott auf, als […]“


Dies ist der erste Roman der Kostas-Charitos-Reihe, und ich weiß nicht genau, ob ich noch einen weiteren lese: Er ist ganz amüsant, aber der Plot ist kompliziert, entwickelt sich nur langsam und ist von Zufällen geprägt, man hat den Eindruck, die Form ist dem Verfasser wichtiger als die Geschichte, da können 463 Seiten lang werden. Außerdem die Namen: Karajorgi, Kolakoglou, Kostarakou, Kostaras; Manissalis, Markidis, Milionis; Sotiriou, Sotiris, Sotiropoulos, Soumadaki, Sovatzis, Starakis – ich möchte nicht wissen, wie oft ich zurück geblättert habe, um nachzusehen, wer denn nun wer ist. Als ich fertig war, entdeckte ich die Namensliste am Ende des Romans – schön doof.

Advertisements

Im Bau

… nein nicht im Knast – diese Seite ist ganz neu, nur noch ein klein wenig Geduld, ihr 100000 Leser …