Ed McBain: Clifford dankt Ihnen

Ed McBain (2): Clifford dankt Ihnen (The Mugger, 1956). – Neuaufl.- Frankfurt/M.[u.a.]: Ullstein, 1982

Es ist Herbst. Steve Carella ist in Flitterwochen, also müssen seine Kollegen vom 87. Revier die Arbeit allein machen. Ein Straßenräuber treibt sein Unwesen, Wallis und Havilland, beide Detektive 3. Klasse, hören immer die selbe Geschichte: Der Räuber, der immer eine Sonnenbrille trägt, zieht Frauen in eine dunkle Ecke, nimmt ihnen ihre Handtasche weg, schlägt ihnen ein blaues Auge als Warnung, kein Theater zu machen, und verabschiedet sich schließlich mit einer Verbeugung und den Worten: „Clifford dankt Ihnen.“ Dreizehn Frauen wurden schon auf diese Art überfallen und so langsam wird die Bevölkerung unruhig.
Zugleich wird Streifenpolizist Bert Kling, der in „Polizisten leben gefährlich“ (s.u.) aus Versehen eine Kugel eingefangen hat und deshalb noch krank geschrieben ist, von einem alten Schulkollegen gebeten, mal mit seiner 17jährigen Schwägerin zu sprechen, die den Eindruck macht, als sei sie in schlechte Gesellschaft geraten. Widerwillig trifft Kling das junge Mädchen namens Jeannie Paige, um ihr ins Gewissen zu reden. Ein paar Tage später ist sie tot. Neben ihr findet man eine zerbrochene Sonnenbrille – ist sie Cliffords vierzehntes Opfer? Kling ermittelt auf eigene Faust und macht dabei die unangenehme Bekanntschaft der Kollegen aus der Mordkommission …

Auch im zweiten 87.-Revier-Roman ahnt man schnell, wie die Zusammenhänge und die Auflösung sind, und auch die Aufklärung der Überfälle ist eher unspektakulär, aber das macht gar nichts. Der Ton ist witzig, die Figuren kriegen so langsam Leben (Havilland z.B. bedient sich gern brutaler Verhörmethoden, Kling verliebt sich unsterblich in eine Zeugin), was nicht zuletzt daran liegt, daß über dreiviertel des Romans aus meist gelungenen Dialogen besteht, immer wieder unterbrochen von elegant formulierten Reflexionen über die Stadt.
Hat Spaß gemacht, den Roman zu lesen, ich bin schon gespannt auf den nächsten.

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